Das regionale Internet-Portal
Bemerkenswert
  • Bemerkenswerte Leserbriefe in der britischen Zeitung "The Guardian" machen derzeit im Netz die Runde. Hier die übersetzten Texte: "Keine Frau… Mehr …

Ihre Sicherheit im Netz
IP-Check
Anonym surfen mit JonDonym!

Bürger kritisieren geplante Gleichstrom-Trasse im Süden der Verbandsgemeinde Montabaur

Neuhäusel. (art) „Warum wird anderswo verkabelt, bei uns jedoch nicht?“ So lautete die zentrale Frage von Bürgern, die zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Gleichstromverbindung Ultranet“ in die Augst-Halle nach Neuhäusel gekommen waren. Eingeladen hatte die Verbandsgemeindeverwaltung Montabaur gemeinsam mit der Bundesnetzagentur und dem Stromtrassen-Unternehmen Amprion. Die Veranstaltung gab auch den Planungsbeteiligten Gelegenheit, den Stand der so genannten Bundesfachplanung wiederzugeben, bei der im Vorfeld des späteren Planfeststellungsverfahrens Vorschläge für die Trassenführung geprüft werden.

Die vom Netzbetreiber Amprion vorgeschlagene Trasse führt auch durch den südlichen Bereich der Verbandsgemeinde Montabaur. (Grafik: Amprion)

Die vom Netzbetreiber Amprion vorgeschlagene Trasse führt auch durch den südlichen Bereich der Verbandsgemeinde Montabaur. (Grafik: Amprion)

Rund 200 Zuhörer waren erschienen, um sich über den Stand der Dinge zu informieren und – kritisch, aber stets sachlich – Fragen insbesondere zu den Auswirkungen des Vorhabens zu stellen. Darunter waren auch eine Reihe von Vertretern aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik. Diese hätten die Frage, warum der Gesetzgeber beim Ultranet eine Verkabelung ausgeschlossen hat, beantworten können, hielten sich allerdings bedeckt.

Ausgangspunkt für die Veranstaltung war und ist der beabsichtigte Bau einer Gleichstrom-Hochspannungstrasse zwischen Osterath (Nordrhein-Westfalen) und Philippsburg (Baden-Württemberg). Dabei handelt es sich nicht um eine neue Stromleitung, sondern um die Aufstockung der schon bestehenden Freileitungsstrecke um eine Hochspannungs-Gleichstromtrasse (Ultranet). Diese so genannte „HybridTrasse“ soll nach den bisher von Amprion vorgelegten Plänen im Bereich zwischen Weißenthurm (Rheinland-Pfalz) und Riedstadt (Hessen) auch durch das Gebiet der Verbandsgemeinde Montabaur verlaufen, und zwar in südöstlicher Richtung auf der Linie Simmern-Neuhäusel-Eitelborn-Welschneudorf-Hübingen-Gackenbach.

Diese geplante Ausbauweise als Freileitungsstrecke ist allerdings der Stein, an dem sich die örtlichen Bürgerinitiativen (BI) im Bereich Neuhäusel und Hübingen stoßen. Ihr Sprecher Oliver Leuker, selbst Elektroingenieur, erklärte, durch die neuartige Kombination von Wechsel- und Gleichstrom-Hochspannungstrasse müsse man von einer neuen Technologie sprechen, deren Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit bisher nicht ausreichend untersucht worden seien. Leuker verwies dabei auf eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission, die weitere Studien für notwendig halte. Die Bi’s fordern hier insbesondere Humanstudien zu Langzeiteffekten von elektrischen und magnetischen Feldern.

Die Gleichstrom-Technik bringe beispielsweise stärkere Aufladungseffekte mit sich als Wechselstrom. Diese Effekte würden auch in die Umgebung von Stromtrassen übertragen. Grenzwerte für elektrische wie magnetische Felder seien in Deutschland schon beim Wechselstrom vergleichsweise großzügig ausgelegt. Die Umweltorganisation BUND, so Leuker, fordere in diesem Bereich beispielsweise eine Reduzierung auf ein Tausendstel des bestehenden Grenzwertes.

Bezogen auf die Abstandsregelungen für den Neubau von Stromtrassen wird der Mindestabstand für rund 70 Prozent von Eitelborn nicht eingehalten. (Grafik: BI Eitelborn)

Bezogen auf die Abstandsregelungen für den Neubau von Stromtrassen wird der Mindestabstand für rund 70 Prozent von Eitelborn nicht eingehalten. (Grafik: BI Eitelborn)

Der BI-Sprecher betonte, dass die Planer sich mit ihren Vorstellungen zwar an Gesetze, Richtlinien und Grenzwerte hielten. Allerdings habe der Gesetzgeber die Möglichkeit einer Erdverkabelung für das Ultranet ausdrücklich ausgeschlossen. Und mit der Nutzung einer bestehenden Trasse entfielen auch die Bestimmungen für die Einhaltung von Mindestabständen, wie sie für einen Neubau vorgeschrieben seien. Unter Berücksichtigung dieser Abstandsregeln liegen nach Darstellung des BI-Sprechers  in Eitelborn und Hübingen 70 Prozent der Häuser innerhalb des Abstandsbereiches von 400 Metern, in Simmern seien es 50 Prozent und auch Teile der Wohnbebauung in Welschneudorf seien betroffen. Das Vorhaben, warnte Leuker, sei deshalb ein  „Experiment über unseren Köpfen“.

Kritisch sehen die Bürgerinitiativen auch, dass die bisherigen Trassen ihren Anfang jeweils in Bereichen haben, in denen in erster Linie Braunkohle zur Stromerzeugung genutzt wird. Das gilt auch für die Ultranet-Trasse, denn Amprion plant in einer dichtbesiedelten Region westlich von Düsseldorf den Bau eines großen Doppelkonverters mit einer Leistung von 2000 Megawatt zur Transformation des vor allem aus den Kohlekraftwerken im rheinischen Braunkohlenrevier stammenden Wechselstroms in Gleichstrom. Dies habe mit der Wende hin zu mehr Strom aus regenerativen Energiequellen kaum etwas zu tun, meinte Leuker, zumal eine Weiterführung der Trasse nach Norden zu den wichtigsten Quellen der Windenergie in den Sternen stehe.

Schließlich kritisierte Leuker, dass beim Bau neuer Stromtrassen offensichtlich finanzielle Interessen im Vordergrund stünden, denn es würden Dividenden von bis zu 9 Prozent garantiert. Tatsächlich ist das Kapitalbeteiligungsunternehmen „M 31 Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. Energie KG“ mit Sitz in Düsseldorf mit einem Anteil von 74,9 Prozent Haupteigentümer des Netzbetreibers Amprion. Die restlichen 25,1 Prozent verblieben bei RWE, das vorher alleiniger Eigentümer war.

Bei der Beteiligungsgesellschaft M 31 sind mit von der Partie (in Klammern die jeweilige Amprion-Beteiligung): Ärztliche Versorgungswerke aus Westfalen-Lippe und Brandenburg (21,6 Prozent), die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (14 Prozent), der Lebensversicherungskonzern Swiss Life (13,2 Prozent), der Versicherungskonzern Talanx (6,7 Prozent), die Sparkassen Versicherung (6,5 Prozent), das Bankhaus Metzler, die Degussa Pensionskasse und die Evangelische Versorgungskasse (je 4,3 Prozent).

Angesichts der nach Meinung der BI’s zahlreichen ungeklärten Fragen fordern die Bürgerinitiativen eine „Verifizierung des konkreten Bedarfs an neuen Stromtrassen“ und für das Ultranet eine alternative Trassenführung über vorgeschlagene Ausweichkorridore, ersatzweise eine Erdverkabelung. Außerdem fordern sie, auf eine Inbetriebnahme zu verzichten, solange es keine ausreichenden Humanstudien gebe.

Weiterer Bericht folgt.

Print Friendly, PDF & Email

Ein Kommentar zu „Ein Experiment über unseren Köpfen“

Archiv

Werbung



Grafikstudio Scheck



Haag Medien

Werbung auf @propos
@propos bietet interessierten Anzeigenkunden vielfältige Möglichkeiten, für ihr Unternehmen und ihre Produkte bzw. Dienstleistungen zu werben. Die aktuellen Mediadaten mit Konditionen und Preisen für eine Werbeanzeige können hier heruntergeladen werden.
Fragen werden gerne beantwortet unter redaktion@a-pro-pos.info oder per Telefon unter 02608-944581.