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Die Akteure des Unternehmergesprächs (v.l.) Gastgeber Dr. Martin Koch, Bürgermeister Edmund Schaaf und Referent Sven Gábor Jánszky.

Montabaur. (red) Südliches Flair mit Strandkörben, Liegestühlen und Fruchtcocktails erwartete die Teilnehmer des 14. Unternehmergesprächs der Verbandsgemeinde Montabaur, das diesmal zu Gast bei der Firma Quartiersmanufaktur im neuen Stadtteil Quartier Süd war. Wie bestellt schien die Abendsonne golden vom Septemberhimmel, als die rund 160 geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft in die alte Fahrzeughalle auf dem ehemaligen Kasernengelände kamen. Dort wurden sie von Hausherr Dr. Martin Koch und Bürgermeister Edmund Schaaf begrüßt. Die Unternehmer waren gekommen, um Neuigkeiten aus der Region und einen interessanten Gastvortrag zu hören, ein unterhaltsames Musikprogramm zu genießen und vor allem um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

Ein bisschen Wehmut lag in der Luft, als Edmund Schaaf an diesem Abend die Gäste begrüßte, denn der Bürgermeister geht Ende des Jahres in Ruhestand und so war es das letzte Unternehmergespräch, zu dem er eingeladen hatte. Schließlich hatte er diese Veranstaltung 2004 ins Leben gerufen und seither als feste Größe in der Region etabliert.

Schaaf nutzte seine Rede für einen Rückblick auf das Jahr 2004: Der ICE-Bahnhof war in Betrieb, aber der wirtschaftliche Impuls, den man sich erhofft hatte, war (noch) nicht eingetreten; die Arbeitslosenquote in Montabaur lag bei 5,3 Prozent; die Vermarktung der Grundstücke im ICE-Park lief schleppend; die gerichtlichen Auseinandersetzung um das FOC bahnten sich gerade erst an und schließlich wurde 2004 auch noch die Westerwaldkaserne geschlossen. „In dieser Zeit brauchten wir einen Mutmacher. Und das war Dr. Martin Koch. Koch war seinerzeit als Berater für die Entwicklung des ICE-Parks für die Stadt Montabaur tätig. „Er sprach vom ‚Wunder von Montabaur‘ und zeigte uns auf, was wir schon alles erreicht hatten und welches Potential er für uns sah.“ Koch riet dazu, den Standort selbstbewusst und offensiv zu vertreten.

In dieser Zeit entstand die Idee, die heimischen Unternehmer miteinander zu vernetzen und sie als Botschafter für den Standort zu gewinnen. Das alles mündete in das Konzept „Unternehmergespräch“, fortan ein Baustein des Erfolgs. Im Jahr 2017, führte Schaaf weiter aus, ist der ICE-Bahnhof Ausgangspunkt des starken Wohn- und Wirtschaftsstandorts Montabaur, die Grundstücke im ICE-Park sind vollständig vermarktet, das FOC ist in Betrieb, die Arbeitslosenquote in Montabaur liegt bei 2,9% und die Verbandsgemeinde ist eine Zuzugsregion für junge Familien. Außerdem entwickelt sich die ehemalige Westerwaldkaserne in rasantem Tempo zum neuen Stadtteil Quartier Süd. „Und wieder sind Sie Impulsgeber für die Region“, lobte Schaaf den Gastgeber.

Dieses Lob griff Dr. Martin Koch, Geschäftsführer der Quartiersmanufaktur und leitender Projektentwickler für das Quartier Süd, in seinem Grußwort auf und gab es als Kompliment zurück: „Es ist kein Zufall, dass wir hier in Montabaur sind, denn diese Verbandsgemeinde wird gut gemanagt. Es herrscht ein wirtschaftsfreundliches Klima in der Verwaltung und in den politischen Gremien, wie man es sonst selten findet.“ Das könne man auch an seinem Projekt, dem Umbau des ehemaligen Militärgeländes in einen neuen Stadtteil, gut ablesen. „Eine solche Dynamik wie in Montabaur haben wir noch nie erlebt. In der Rekordzeit von neun Monaten war Baurecht geschaffen.

Das ist keine drei Jahre her. Seither wurden im Quartier Süd bereits 100 Mio. Euro investiert; davon etwa ein Drittel von der Quartiersmanufaktur selbst“, umriss Dr. Koch die Eckdaten. „Wir betreiben Brachflächen-Recycling und entwickeln kreative Ideen, wie man alte Gebäude neu nutzen kann.“ Zum Beispiel die alte Fahrzeugpflegehalle: Diese hatten die Gastgeber weitgehend im Urzustand belassen, stilvoll möbliert und aus diesem Kontrast eine besondere Location für das Unternehmergespräch geschaffen. „In zwei oder drei Jahren werden sich hier, wo wir heute stehen, etwa zwölf Wohn- oder Büroeinheiten befinden. Die Ideen für die Umwandlung haben wir schon in der Schublade.“ Dort, so zeigten seine weiteren Ausführungen, liegen wohl noch mehr Ideen, Konzepte und konkrete Pläne für das Quartier Süd.

Der Rückblick ist nicht so sehr die Sache von Sven Gábor Jánszky. Eher der Ausblick, denn Jánszky ist Zukunftsforscher und hielt beim Unternehmergespräch den Gastvortrag „Wie leben, wohnen und arbeiten wir im Jahr 2025?“. Jánszky gibt keine einfachen Prognosen ab, sondern betreibt wissenschaftliche Studien darüber, wie sich die Welt in den kommenden 10, 20 oder mehr Jahren verändern wird. Den Unternehmern riet er „Mut zur Lücke“ zu haben. „Es gibt eine größer werdenden Lücke, zwischen dem, wie wir uns die Zukunft vorstellen, und dem, wie die Zukunft tatsächlich sein wird. Diese Lücke müssen Sie für Ihren Geschäftsbereich erkennen und für Ihre Zwecke nutzen. Dann bleiben Sie dran an der Zukunft.“ Die technische Entwicklung in allen Lebensbereichen laufe viel rasanter, als man es sich bewusst macht. „Ein Smartphone oder PC beispielsweise verdoppelt alle 18 Monate seine Kapazitäten und Fähigkeiten.“

Anhand dieses und vieler weitere Beispiele aus den Bereichen Medizin, Wohnen, Bauen, Verkehr, Wissensmanagement und Arbeitswelt zeigte er auf, was heute schon technisch möglich ist und wohin sich die künstliche Intelligenz entwickeln wird. Technische Neuerungen wurden schon immer mit Skepsis betrachtet und oft als Gefahr definiert, zum Beispiel die Erfindung der Eisenbahn oder die Einführung des vertonten Films. „Sie entscheiden, ob sie die Gefahr sehen oder die Chance erkennen und nutzen“, gab er den Unternehmern mit auf den Weg. Dieser führte zunächst zum geselligen Beisammensein und zu angeregten Diskussionen über die Zukunft der Region.

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