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Junge Wildkatzen sollten von Spaziergängern und Wanderen in Ruhe gelassen werden, rät der BUND Rheinland-Pfalz. (Foto: Thomas Stephan / BUND)

Mainz. In den kommenden Monaten wird es in den Wäldern in Rheinland-Pfalz vermehrt zur Sichtung junger Wildkatzen kommen. Daurauf weist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. hin. Die Umweltschutzorganisation appelliert an Spaziergänger und Wanderer, die Jungtiere nicht anzufassen oder gar mitzunehmen, auch wenn sie scheinbar allein und scheinbar mutterlos angetroffen werden.

„Immer wieder lesen besorgte Tierfreunde in dieser Jahreszeit  junge Wildkätzchen auf, bringen sie zu Tierärzten oder Schutzstationen oder behalten sie einfach zu Hause. Davon raten wir dringend ab. Das Muttertier ist in der Regel nicht weit weg, gerade kurz auf Mäusejagd oder versteckt sich in unmittelbarer Nähe“, erläutert Charlotte Reutter, Projektleiterin beim BUND. Zudem sei das Immunsystem der Wildkatze und insbesondere der Jungtiere nicht gegen Infektionen mit Hauskatzenkrankheiten gewappnet. Reutter rät: „Die Jungtiere sollten wenn überhaupt nur kurz aus größerer Entfernung beobachtet werden.“

Die Wildkatze ist das Tier des Jahres 2018. (Foto: Thomas Stephan / BUND)

Die Wildkatze ist das Tier des Jahres 2018. Die Haltung der streng geschützten Wildkatzen in Privathaushalten ist verboten. Die Tiere landen dann bestenfalls in Schutzstationen. Auswilderungen – wieder zurück in die freie Natur – klappen leider nicht immer. Daher gilt: Bitte nicht anfassen oder stören. Wenn Spaziergänger aber Zweifel haben, können sie private Wildtierauffangstationen wie Tierart e.V. in Maßweiler (Mobil:0176-843 055 45, Mail: wildtierauffangstation@tierart.de) oder die Wildtierhilfe Kaiserslautern (Mobil:0173-340 924 6, Mail: info@tierhilfe-pfalz.de) kontaktieren, und die Stelle, an der die Kätzchen gesichtet wurden, mitteilen. Auch der BUND kann bei der Vermittlung behilflich sein (Telefon: 0 61 31 – 62 70 60, Mail: info@bund-rlp.de).

Häufig werden die grau-getigerten Wildkätzchen für Nachwuchs verwilderter Hauskatzen gehalten. „Insbesondere junge Wildkatzen sehen Hauskatzen zum Verwechseln ähnlich“, erläutert Reutter. „Wenn sie älter werden, verblasst die Fellzeichnung und sie sind durch ihren kräftigen Körperbau und den buschigen Schwanz mit stumpfer, schwarzer Spitze als Wildkatze besser zu erkennen.“

Für die Aufzucht ihres Nachwuchses benötigen Wildkatzen Baumhöhlen, Totholz, umgeworfene Wurzelteller und dichtes Gestrüpp als Versteck für ihre Jungen. Sturmtief Friederike hatte Mitte Januar unzählige Bäume entwurzelt und damit vielerorts ideale natürliche Wurf- und Ruheplätze für die Wildkatze geschaffen. Fehlen diese, nutzen Wildkatzenmütter immer wieder auch Holzstapel, sogenannte Holzpolter. „Wenn Holzpolter oder vom Sturm geschaffene Verstecke in der Aufzuchtzeit der Wildkätzchen abgeräumt werden, können junge Wildkatzen leicht umkommen“, erläutert Reutter. „Wir fordern deswegen Förster und Waldbesitzer auf, die Chance für strukturreichere Wälder zu nutzen und den Windwurf der Winterstürme wo immer möglich in den Wäldern zu belassen. Viele wissen dies und handeln bereits vorbildlich. Bei der regulären Holzernte sollten die Polter am besten erst im September beräumt oder das gewonnene Holz sofort und ohne Zwischenlagerung im Wald abtransportiert werden, um das Risiko für die Wildkatze zu verringern.“

Erfreut zeigte sich die BUND Wildtierexpertin über die gestiegene Anzahl von Wildkatzen, war die scheue Wildkatze doch einst fast ausgerottet. „Die größte Bedrohung für die  Wildkatze ist und bleibt die Zerschneidung und Verarmung ihres Lebensraums durch Ackerflächen, Straßen und Siedlungen“, führt Reutter weiter aus. Damit die isolierten Populationen und viele andere gefährdete Tiere eine Überlebenschance haben, ist ein Netzwerk aus miteinander verbundenen Wäldern notwendig.

Der BUND wird von 2018 bis 2019 im Auftrag des Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz (MUEEF) und unter fachlicher Leitung des Landesamtes für Umwelt (LfU), anerkannten Wildkatzenexperten und einem Netz aus Ehrenamtlichen ein landesweites Totfundmonitoring für die Wildkatze durchführen und erproben. Nach Ende der Projektlaufzeit soll es dauerhaft und mit reduziertem Aufwand betrieben werden können. Neben den bisher vorhandenen Informationen zum Vorkommen der Wildkatze sollen dadurch weitere wichtige Informationen zur Verbreitung und vor allem über die Gefährdungsursachen der Wildkatzen gewonnen und Artenschutzmaßnahmen entwickelt werden. Die Bevölkerung wird gebeten, tote Wildkatzen unter wildkatzenfund@bund-rlp.de zu melden.

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